Die Dinge fallen wie sie sollen

Durch die Übung kontemplativer Künste lernen wir im Moment anzukommen. Nicht nur die reine Meditation ist eine Möglichkeit die eigenen Denkmuster kennen zu lernen, zu beruhigen oder zu lenken. Auch kreative Werkzeuge und handwerkliche Techniken sind ein Weg zu feiner Aufmerksamkeit. Sich versenken, sich hinein begeben in das, was man gerade tut. Präsent sein mit Körper, Seele und Geist. Wir kennen und erleben das ohne dem den Titel Meditation oder Kontemplation zu geben. Intensität, Selbstvergessenheit, Flow. Du vergisst Zeit und Raum beim malen singen oder wenn du mit deiner Band Musik machst. Bei körperlicher Bewegung bist du völlig mit dir und der Natur verbunden. Das kennen Kinder, die spielen und Erwachsene, die ein Gedicht schreiben oder in täglicher Routine ihren Garten pflegen. Ich bemerke im Garten jedoch auch wie die Stimmung, die Sorgen, die Anspannung des Alltags meine Art zu arbeiten färbt und diese ganz und gar nicht kontemplativ oder versunken ist. Dann bringe ich Leistungsdenken ein und nehme mir vor heute noch dies zu schaffen und morgen eine nächste Aufgabe zu bewältigen. Ich teile Blumen und Gemüsebeete ein in to do’s und brauche eine ganze Weile bis ich das bemerke. Die beste Lösung ist dann über mich lachen zu können, aber das gelingt nicht immer. An einem anderen Tag fühlt sich einfach alles eckig an. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich diese ‚Eckigkeit’ auflösen kann und die Gedanken nach unten sinken in die Bewegung. Die Versenkung in meine Tätigkeit ist ein individuelles Lernfeld und ich begegne meinen Hindernissen, lerne sie nicht zu fokussieren und eröffne mir damit einen Zugang zu Präsenz. Ganz bei dem sein, was ich gerade tue: manchmal entspannt, öfters unruhig, widerständig, flackernd oder müde. Alle Färbungen sind möglich. Traditionell haben die verschiedenen Schulen Kontemplation in ganz unterschiedlichen Disziplinen gelehrt. Bogenschießen, Kalligraphie, Ikebana oder die aufmerksame zeremonielle Bewirtung eines Gastes in der Teezeremonie. Allen gemeinsam, so kann man sagen, ist die Wiederholung zu Beginn einfacher Übungssequenzen und der stillen Selbstbeobachtung darin. Gelingt mir die Verbindung zum gegenwärtigen Moment? Schweife ich ab? Unser Gehirn ist je nachdem wie wir unseren Alltag verbringen geübt sich zu konzentrieren oder aber sich abzulenken. Ariadne von Schirarch spricht davon, dass wir “auf historisch neue Weise von uns abgelenkt” sind. Die eigentliche Übung ist immer wieder zurück zu kehren zur Tätigkeit, zu dem Empfinden, zur Sinneserfahrung. Wir üben unsere Aufmerksamkeit gerichtet zu halten und uns dabei nicht anzustrengen. So fliegt der Pfeil in voller Ausrichtung, die Kalligraphie gelingt in schönem Schwung, das Blumengesteck bringt harmonisch den Charakter der Pflanzen zur Geltung und in der Fotografie ist die Direktheit der Wahrnehmung kraftvoll und elegant abgebildet. Das Üben wird belohnt mit gutem Gelingen, die Dinge fallen wie sie sollen.

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