kon·tem·p·la·ti̱v

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wörtlich: beschaulich, besinnlich, konzentrierte Betrachtung, versunken

Konzentriertes Betrachten ist eine Übersetzung, die mir liegt. Sich vertiefen und dabei – zumindest ein wenig – das Denken vergessen. Es ist eine sinnliche Erfahrung, mich mit dem zu beschäftigen, was gerade ist. Mich versenken und – vielleicht – am Ende eine Erkenntnis gewinnen. Diese Erkenntnis ist nicht intellektuell, sondern entsteht aus der Erfahrung des Möhren schneidens oder der Erfahrung der Stiftführung weil ich ganz bei der Sache war. Kontemplative Fotografie ist ein wirkliches Erleben des Sehens – zuerst ohne und dann mit Kamera. Das kann ein Stadtpanorama sein oder die Färbung des Fells einer Katze. Und ein bisschen hat es auch den Charakter eins zu werden mit dem was ich sehe. Hört sich spirituell an? Nein, es ist eine Hingabe ans Sehen, eine Leidenschaft meine Erfahrung erfahren zu wollen.

Nichts Neues in der Fotografie? Ansel Adams betrachtete über lange Zeiträume die Natur. Das Ehepaar Becher saß mit Thermoskanne und Butterbroten auf Industrietürmen und wartete den Moment ab. Sehen und mit dem Sehen verweilen ist das Handwerkszeug der Fotografie. Der Unterschied zur der kontemplativen Fotografie, deren Ansatz ich übe, ist vielleicht, dass wir alles daran legen der ersten frischen Wahrnehmung treu zu bleiben. Die Intensität der Betrachtung dient nicht dazu, darüber zu grübeln das, was ich bemerke, in einer besonders raffinierten Art darzustellen, es in eine Serie einzupassen oder durch die Bildgestaltung zu erhöhen. Genau an diesem Punkt setzt eine Veränderung unserer Sehgewohnheiten an. Es beginnt eine Art Schulung unseres Sehsinns oder auch Selbstreflektion des Prozesses vom Moment des Sehens bis zum Entstehen des Fotos

„Aus diesem Blickwinkel ist das Grundprinzip der Fotografie die Dinge so zu sehen, wie sie sind. In ihrer eigenen gewöhnlichen Natur. Es ist sehr einfach und direkt.“
Über Kunst, Chögyam Trungpa,
Originaltitel: True Perception, The Path of Dharma Art, 1994 / 2012

Kommentare (2)

  1. Liebe Hiltrud, dazu habe ich mir auch schon oft und viele Gedanken gemacht! Danke für Deine Gedanken dazu.
    Ich versuche, nur dann ein Bild zu machen, wenn es das ausdrückt, was ich sagen will, wenn es das Gefühl darstellt, das mich in dem Moment bewegt hat. Manchmal sieht man ja einfach schöne Dinge und ist versucht, auf den Auslöser zu drücken. Wenn man es anders machen möchte, ist es wichtig, zunächst den inneren Inhalt zu kennen. Worum geht es mit jetzt genau? Was möchte ich zum Ausdruck bringen? Diese Klarheit braucht es vor allem. Ich möchte tiefer tauchen als die Wahrnehmung. Die Wahrnehmung, die Sinne, das ist ja erst die erste Ebene, wenn man bei Patanjali schaut. Danach geht es aber noch weiter nach innen. Man beginnt bei den Sinnen, lässt auch das Denken ruhig werden, löst den Geist von allen Bewertungen und Benennungen. Dann hat dieses tiefste Innere die Chance, aufzublitzen. Darum geht es mir, das verstehe ich unter kontemplativer Fotografie. Nicht nur die Suche nach dem inneren Inhalt, sondern nach dem innersten Inhalt. Es bedeutet, die Oberfläche zunächst ganz weit hinter sich zu lassen, um dann doch über das Abbild der Oberfläche das zu zeigen, was ganz tief darunter liegt. Das ist überhaupt nicht einfach, sondern eine echte Herausforderung, immer wieder.
    Ganz liebe Grüsse, Susanne

    • Hiltrud Enders

      Vielen Dank für deine Gedanken, liebe Susanne!
      Ich schätze sie sehr, denn es ist ja gar nicht so leicht dies in Worte zu fassen. Nun gibst du mir etwas zum Nachdenken 😉
      Merci

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