Meerblau & Nebelgrau

„Morgen früh können wir sicher noch einen schönen Abschiedsspaziergang am Meer machen.“ Mit diesem Gedanken versöhne ich mich mit der zu frühen Heimreise. Die Erholung fängt gerade an. Viele Stunden draußen und nicht am Rechner. Viele Schritte im Sand, die den Kopf leer und die Gespräche immer luftiger werden lassen, die Worte weniger. Das Meer ist ruhig in diesen Tagen. Sonne und kaum Wind lassen im Februar schon fast den Frühling erahnen. Immer wieder halte ich an und sammle Blautöne. Ich mag das: nur Wasser und Himmel. Manchmal ist der Horizont glasklar erkennbar, dann wieder kaum auszumachen. Es reizt mich genau hinzuschauen. In der Miksang Fotografie nennen wir dies ein „Motiv“. Etwas immer gleiches anschauen und abbilden. Ob es der Blick jeden Morgen aus meinem Fenster ist, oder der Blick, wenn ich ans Meer komme. Ich weiche auch gerne wieder davon ab, es ist mir nicht wichtig ein strenges Format zu erfüllen. Menschen machen lustige Sachen am Strand. Die große Weite lädt zum Spielen ein.

An diesem letzten Morgen weiß ich, als ich aus dem Fenster schaue, dass alles anders sein wird. Auf dem Dünenweg angekommen kann ich kaum einige Stufen auf der Treppe zum Meer erkennen. Das intensive blau von gestern ist einem zarten blaugrauweiß gewichen: Nebel. Aus der dichten Nebelwand taucht fröhlich ein Mann mit Hund auf: „In einer Stunde wird die Sonne durchkommen und der Nebel wird sich in wunderschönen Schichten zeigen.“ Wie um das zu unterstreichen malt er eine Wellenlinie mit dem Finger auf die Glasabtrennung eines Restaurants, die sofort wieder zufriert. Meine Kamera kann kaum fokussieren in dieser dichten Suppe. Macht nichts. Irgendwo im Dickicht ein Jogger. Es hat etwas persönliches sich zu begegnen. Ich plaudere mit einem Mann, der fast in seiner großen Kapuze verschwindet. Stuhl, Staffelei, angemischte Farben in Filmdöschen stehen unberührt. „Mein Motiv ist weg!“ sagt er. Er hatte gestern begonnen den Strand zu malen. Als ich nach einer ganzen Weile zurück komme, sitzt er und malt. Er hat sich einfach umgedreht und schaut in Richtung Ort. Er malt die Häuser und davor wunderschön und in der Farbe so gut getroffen, den winterlichen rotbraunen Sanddorn. „Ich habe einfach ein bisschen weiß hinzugefügt. Gestern war der Sanddorn weiß vom Frost.“ Die Farben der Häuser wählt er so kräftig wie sie aussehen, wenn die Sonne den Nebel getrocknet hat.

Wir erleben die Auflösung leider nicht am Strand sondern auf der Autobahn. Plötzlich kommt die Sonne durch und alles ist klar.

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