Mozzarella

„Trinken Sie eigentlich am Boden auch Tomatensaft?“, frage ich meine elegante Sitznachbarin im Flugzeug. Seit wir in Köln abgehoben sind, haben wir freundlich schweigend nebeneinander gesessen. Meine Frage eröffnet ein Gespräch, welches über die Landung in Napoli hinaus andauert. Tomaten kocht sie auf verschiedene Arten ein, viele Details der Vorbereitung folgen. Dann füllt sie alles in Flaschen und kocht die Flaschen nochmal ein oder sie wickelt die gefüllten Flaschen in Wolldecken. Sie kocht 3–4 Flaschen täglich, wenn sie hier ist. Der Garten ist voller Tomaten. 10 Flaschen in einem Paket nach Deutschland zu senden kostet 39 Euro Porto. Umgekehrt ist es günstiger. Die deutschen Gurken sendet sie nach Italien, denn die sind besser im Kartoffelsalat. Einmal ist ihr Sohn mit dem Auto gefahren, da hat sie ihm 60 Flaschen mitgegeben. Sie lacht herzhaft hinter ihrer großen Sonnenbrille. Es folgt eine ganze Rezeptsammlung des Cilento, begleitet von Einkaufstipps in beide Flugrichtungen. Ihre Einkäufe und Erzählungen werden begleitet von den Handbewegungen, mit denen sie die Waren prüft: kleine Sardellen, große Fische, Paprika, Auberginen, Knoblauch. Ach, und der Mozzarella muss ganz rund sein, sonst ist er nicht mehr frisch.

Paprika in den Ofen
bisschen Koblauch
Brot
Olivenöl
Kapern
Sardellen
Oliven – schwarz oder grün ist egal
Alles mischen, in die Paprika wickeln und wieder in den Ofen.

Ihre Hände gleiten über das kleine Flugzeugtischchen, während sie die Zubereitung erklärt. Alle Rezepte werden begleitet von Geschichten, wem in ihrer Familie das jeweilige Gericht besonders gut schmeckt. 1961 hat sie im Speisesaal gearbeitet in Salerno. Das war die Zeit als die deutschen Urlauber noch keine Artischocken kannten und nach Kartoffeln fragten. Dann arbeitete sie in Köln im Krankenhaus, erst in der Küche, dann im Speisesaal; später im Altenheim. Seit 50 Jahren pendeln sie zwischen Köln und dem Cilento. Drei Kinder haben sie und es gab keinerlei hilfreiche Unterstützung, als diese klein waren. Immer hat sie gearbeitet.

In ihrem Handgepäck lagern Mettwurst und Bratwürste. Sie hatte Angst, dass es Ärger gibt an der Sicherheitskontrolle. Aber die haben nichts gesagt. Sie möchte ihren italienischen Freundinnen deutsche Linsensuppe kochen. Sie freut sich schon so sehr darauf. Wieder folgt die genaue Beschreibung der Zubereitung und die Hände gleiten wieder über das Flugzeugtischchen. Seit sie und ihr Mann nicht mehr arbeiten, können sie so viel Zeit in Italien verbringen, wie sie wollen.

Als wir am Gepäckband auf die Koffer warten, weiß nur ich, dass in der hübschen Tasche mit dem Rosenmuster Mett- und Bratwürste lagern. Gut, dass es kaum noch Zollkontrollen gibt.

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