Reise

Reise. Freie Zeit, eine Reise, einen Ort und eine Landschaft erleben, die ich noch nicht kenne. Ich bemerke, nachdem ich bereits einige Tage dort bin, wie ich langsam beginne mich zu entspannen – auch mit meiner Kamera. Am Anfang ist alles neu und aufregend. Jeden Weg gehe ich das erste Mal, die Landschaft überrascht mich. In den ersten Tagen bin ich fast ständig nah am Auslöser. Die Farben des Sees faszinieren mich, das Glitzern der Wellen in immer wieder wechselnden Farben: grün, smaragd, türkis, silber, tiefblau, weiß und grau. Ich schaue hin, nehme auf und fotografiere. Ich spüre jedoch mein Bedürfnis mehr zur Ruhe zu kommen und weniger selbst aktiv zu ‚sehen’, mehr Stille zu finden im Betrachten, mich erreichbar zu machen. Für mich ist dies alles auch ein Gradmesser meiner Entspannung, meines Ankommens im Moment und am Ort. Ich kenne diese Ansammlung von Aufnahmen, die ich später auf dem Laptop lösche, weil sie sich so schnell eingefangen anfühlen, weil ich nicht wirklich Verbindung aufgenommen habe. Dies geschieht, wenn ich zu schnell, zu aufgeregt, zu hastig bin. Es gilt mich körperlich und auch in meiner Präsenz, meiner Wahrnehmung im Moment zu verankern. Diese Übung kenne ich zu gut. Bei mir ist die Zeit vor einer Reise meist sehr angefüllt mit Dingen, die zu Ende gebracht und noch erledigt werden möchten. Ein Übermaß an Denken ein zu wenig an Muße. Jedes Mal denke ich wie absurd diese Intensität an Tempo ist, um anschließend langsam sein zu dürfen. Wirkliche Wahrnehmung entsteht je mehr Muße ich zulassen kann. An Tag 4 bemerke ich während dieser Reise, wie mein Tempo nachlässt und auch meine Erwartungsspannung ‚gute Fotos’ mit nach Hause bringen zu wollen. Wie ich beginne mich treiben zu lassen und auf dem Schiff etwa bemerke welch krauses Haare die vor mir sitzende Frau hat. Das intensive Rot ihres T-Shirts spiegelt sich im Metall des Geländers. Dieses Gefühl von mich treiben lassen hat etwas wunderbar passives. Ich lasse mich überraschen von meiner Umgebung. Ich lasse los und meine Wahrnehmung wird leicht.

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