Wirklich sehen!

Wie schnell passiert es, dass wir gar nicht sehen, Wege von A nach B zurücklegen, ohne uns anschließend an Details erinnern zu können. Dabei ist es fast egal, ob ich zu Fuß unterwegs bin oder auch mit dem Auto. Manchmal habe ich die Strecke sogar vollständig per Autopilot zurückgelegt. Dann gibt es wieder Momente in denen ich sehr wach wahrnehme. Ich beginne mich umzuschauen und neugierig zu werden auf das was ich sehe: Form, Textur, Farbe, Bewegung, Licht und Schatten. Hier beginnt Wahrnehmung: ein Mädchen auf einer Schaukel, eine intensive Farbe lässt mich verweilen, der Lichtfall auf einer Mauer oder der Schatten eines Fahrrads auf dem Boden. Das alles lässt mich buchstäblich still stehen. Ein Moment frischer Wahrnehmung und das Gegenteil von Autopilot. Dieser Art des Sehens und der Wahrnehmung kann ich üben. Es ist eine Frage des Trainings und auch der Häufigkeit wie empfänglich ich dafür bin. Wenn ich stehen bleibe in solchen Momenten und wirklich hinschaue, öffne ich mich umso mehr. Sehen kann Bestandteil meines Tages, meiner Wege werden und somit auch ein Teil von mir. Möchte ich klar sehen, dann sollten Auge und Verstand im gleichen Moment am gleichen Ort sein. Hilfreich ist es innerlich still zu werden, sich an diesem Ort zu verankern. Je entspannter und ruhiger ich hier bin umso deutlicher kann ich wahrnehmen.

Wenn wir die Filter bemerken, die unser Klares Sehen beeinflussen und „trüben“, können wir sie einfach vorbeiziehen lassen. Die wahre Aufgabe ist davon zu entspannen und damit die Filter klarer und durchlässig zu putzen. Das Bild wird farbiger und schärfer. Klares Sehen hat damit zu tun was mit unseren blitzschnellen Gedanken auf dem Weg vom Auge zur Festplatte Gehirn geschieht. Welche inneren Dialoge liegen dazwischen? Was sind meine Filter?

Gewohnheit: Ich mag das Eine sehr und das Andere gar nicht.

Einteilung: ‚Schön und hässlich.’ ‚Gut und nicht gut.’ ‚Interessant oder nicht interessant.’

Projektion: Die Leinwand rollt herunter! Wir sitzen ganz schnell in unserem eigenen Film.

Assoziation: Wasser… das erinnert mich an Urlaub… blitzschnell bin ich innerlich auf und davon.

Gedanken: Ich sehe etwa eine Person und frage mich: wo kommt sie wohl her, wo geht sie hin? Wird sie jemanden treffen?

Erwartungen: Was soll ich hier sehen? Was würden Andere sehen?

© Hiltrud Enders