Mach mal Pause

Wuppertal verwöhnt mich. Ich mag diese Blicke von oben. Ständig schaue ich von oben auf etwas oder ich sehe von unten übereinander geschachtelte Gebäude und Stützmauern. Wir sausen auf Höhe der Baumwipfel mit der Schwebebahn, unter uns der Fluss gesäumt von indischem Springkraut. Noch nie sah ich so viele Autowerkstätten. Über einer steht in verblichenen Buchstaben auf Putz: ‚Mach mal Pause. Das erfrischt!’ Noch bevor ich entscheiden kann, ob ich aussteige schwebt die Bahn über die Autobahn. Unter mir rote Lichter. Ich habe Spaß an der Verrücktheit der Stadt. Die Formen der Häuser bilden eine große Collage. Gründerzeit und bergischer Schiefer neben Werkstätten, Hallen und Glasbausteinen. Kinder spielen draußen an diesem Sommerabend. Ich klettere die Hardthöhe hoch. So hieß auch ein kleiner Berg meiner Kindheit, eine ‚Himmelstreppe’ führte nach oben. Meine Mutter nannte sie vermutlich nur so, um uns Kinder nach oben zu plaudern. An diesem Tag zählt der Schrittzähler in meinem Smartphone 28 Stockwerke. Zur Belohnung gibt’s ein Bier auf dem Balkon des Café Elise. Wie so oft in diesen Tagen, bin ich sicher, nicht das letzte Mal hier zu sein. Die Stadt ist an vielen Stellen so zauberhaft, versprüht den Charme des Unaufgeräumten und bergische Ruhe. „Hier kann man noch ganze Häuser kaufen.“ sagt meine Fotofreundin und Gastgeberin. Wir sitzen im Café Katzengold und tauschen die Erlebnisse mit der Stadt in den 60ern und 70ern aus und sind doch ganz da: lassen den Gesprächsfaden einfach fallen, weil die Straßenmusikerin so wunderbar strahlt, während sie ‚Besame Mucho’ auf dem Akkordeon spielt.

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